German Traveldaybook Pt.2 – Better know your dives

Der heutige Titel ist geklaut, und zwar von Stephen Colbert. Es ist mir übrigens eine Wonne, meinen geliebten Colbert Report (französisch aussprechen!) nun endlich mal tagesaktuell und live zu sehen, anstatt immer nur mit bis zu einer Woche Verzögerung. (look it up: http://www.colbertnation.com/full-episodes)

Um Land, Kultur und Leute kennenzulernen macht es sich immer gut, Ess- und Trinkgewohnheiten der Einheimischen zu teilen. Nun, ich kenne die englischen Worte restaurant, bar und pub. Aber keines davon passt so richtig auf Kneipe, erst recht nicht wenn man – wie ich – in jeder Umgebung gerne eine „Stampe“ um die Ecke hat. Zum Glück hatte ich schon Anlaufkontakte bevor ich hier her kam, und ich stelle zufrieden fest, dass diese auch recht trinkfreudig sind. Aber zuerst zu den „restaurants“. Seltsamerweise ist das Speiseangebot fast durchweg überall mexikanisch ausgerichtet. Das gilt für Kneipen/Restaurants mit Namen wie „Betty Ford“ oder „Surly Girl“ genauso wie für eindeutigere Butzen namens „Rancho Alegre“.

La Vida Mexicana

La Vida Mexicana

In allen gibt es täglich Happy Hours und nicht selten sind die Schlangen davor recht eindrucksvoll. Zum schnell mal zwischendrin ersetzt der Burrito unseren Döner oder Dürüm Falafel. Ich weiss nicht ob es mir nur so vorkommt, aber ich hab den Eindruck, dass sogar die klassische amerikanische Pizza in Columbus von Fajitas, Tacos, Enchilladas und eben Burritos überholt wurde. Ich persönlich finde mexikanisch recht langweilig, wenn man Vegetarier ist. Nach nur zwei Wochen kann ich keine Bohnen mehr sehen!

Nach Bohnen und Käse braucht der Mensch Schnaps. Das „Rancho Alegre“ hat zwar die größten Margaritas und Daiquiris der Stadt, aber wenn man danach weitertrinken möchte, sind andre Kneipen besser.

Save a taco, eat umbrellas.

Save a Taco, eat umbrellas.

Den günstigsten Schnaps gibt’s in den „Dives“. Der Dive ist, wie der Name so schön verbildlicht, die Absteige unter den Kneipen. Der Dive serviert kein Esssen außer Erdnüssen, und hat meist einen anfangs sehr grummeligen Barkeeper hinterm Tresen stehen, der im Laufe des Abends immer netter wird. Nix Schnickschnack, nix Hippes, nur ehrliche Drinks. Der Longdrink kann sich sehen lassen: 2,50 $ für nen Single Shot, das entspricht ca. 3cl und die KneiperInnen lassen’s gut laufen. Bisheriger Gewinner unter den Dives ist das „Saint James“. An meinem ersten Abend dort war mir die Größe der Shots noch nicht ganz bewusst, also hab ich einen doppelten Wodka Tonic bestellt. Zuerst bekam ich große Augen, als der Barkeeper nicht aufhörte die Flasche senkrecht zu halten, dann bekam ich einen großen Schreck, weil ich rein gar keinen Tonic mehr schmecken konnte (ich ließ dann nachfüllen…), und dann bekam ich großen Schluckauf. 10 Dollar (entspricht 7,50 € entspricht ca. 15 cl) reichen durchaus aus, um auf den Billiard-Tischen tanzen zu wollen. (Zum Vergleich: in New York habe ich dieses Jahr erst den teuersten Stoli meines Lebens getrunken: 21 $ für einen double shot.) Leider wird man zum rauchen nach draußen gezwungen, was an sich nicht schlimm wäre wenn man wenigstens seinen Drink mit rausnehmen dürfte. Aber das geht nur in den wenigsten Kneipen, weil dafür eine teure Lizenz vonnöten ist. Und so findet man dann doch immer wieder in dunklen Ecken konspirativ zusammen….

...

Saint James' back door...

Auf dem zweiten Platz ist zur Zeit das „Pit Stop“, eine Biker-Kneipe mit Bühne, auf der mittelalte Männer Lieder im Stil von Steppenwolf, Crosby Stills and Nash und Ähnlichem zum besten geben und wo Frauen in Karotten-Jeans und Gürtel kurz unter der Brust dazu tanzen. Die Athmosphäre ist wunderbar, alle lieben meinen deutschen Akzent, und das Allerbeste ist: man raucht drinnen! Die obligatorische Runde Pool gegen den Barkeeper hab ich traditionsgemäß verloren.

Platz Nummer 3 muss sich „India Oaks“ mit „Rumba Café“ teilen. Das „Rumba“ hat einen netten Hinterhof, „India Oaks“ hat ein ähnliches Ambiente wie „Pit Stop“ und auch die gleiche Musik. Leider muss man in beiden Kneipen auch draußen rauchen, aber da kann man jeweils nett sitzen UND gleichzeitig trinken, und die eine hat ne Feuerstelle, die andre Heizlampen. „….Heizlampen! Feuer! Du Sissy!“ denkt ihr jetzt vielleicht, „es ist doch längst Frühling!“ Nun, kommen wir zum Wetter.

Der Sonnenschein, mit dem ich in meinem ersten Bericht angegeben habe, lässt sich zwar immer mal wieder blicken, aber ansonsten spielt das Wetter hier echt verrückt. Von einer Stunde zur nächsten wechselt es von feucht-tropisch-warm zu nasskalt-schottisch. Die Tornado-Berichte sind sicher auch in Deutschland angekommen… Gesehen hab ich keinen, aber es sind wohl ein paar davon an Columbus vorbeigezogen, extreme Winde im Schlepptau und Gewitter wie ich sie lange nicht gesehen habe. Mir wurde versichert, dass es noch nie einen Tornado-Touchdown in der Stadt gegeben hat, aber eigentlich hatte ich mir darüber auch gar keine Sorgen gemacht… Als dann aber mitten in der Nacht die Sirenen losheulten, da stand ich senkrecht. Als Ossi müsste ich zwar vertraut sein mit dem Geräusch, aber trotzdem musste ich unweigerlich an die endlosen Pioniernachmittage mit Weltkriegsveteranen denken, die mir mit ihren bildhaften Schilderungen schlaflose Nächte bescherten. Und obwohl ich mir schon dachte, dass es eine Unwetterwarnung sein muss, hab ich dann doch meinen Computer hochgefahren um sicher zu gehen, dass auch wirklich ein Tornado in der Nähe war. Danke weather.com.

Die Videoqualität lässt leider etwas zu wünschen übrig, aber ich denke man erkennt worum es geht. Ansonsten sind die schlimmsten Stürme zum Glück vorbeigezogen, obwohl ich ja schon auch gerne mal so ein Ding in echt gesehen hätte….

So, zum Abschluss noch meine „Gang“, zumindest der harte Kern: Sarah, Beth, Shauna, Zuzana.

The Gang.

The Gang.

Bis bald aus dem nächsten Dive,
*sülf

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Eine Antwort zu German Traveldaybook Pt.2 – Better know your dives

  1. seppl schreibt:

    Bei dir scheint ja ganz schön was über die Theke zu fließen, klingt gut! Bei der Sache mit den Sirenen bin ich mir jedoch sicher, dass die Amis jeder Zeit mit dem Ernstfall rechnen.. und damit meine ich nicht das Wetter. Viele Grüße

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