Wie ich trotz Aspirin complex beinahe gestorben wäre

Firefiz Fotobox

Silvester fahren alle Menschen gern irgendwohin. Egal wohin – weg ist allemal besser als in vertraut trister Umgebung darüber nachzudenken, dass das neue Jahr wie das alte wird, eventuell sogar noch schlimmer. Auch ich wollte weg – egal wohin.                                         Die Berge der Schweiz fand ich schon immer verlockend, besonders der Winter schien romantisch zu sein. Da traf es sich gut, dass mich ein Freund zur Vernissage einlud.  Künstler und Künstlerinnen aus aller Welt hatten bereits ihr Kommen bekundet. Hocherfreut sagte ich zu. Doch wie das Leben einem manchmal übel mitspielt! Bereits drei Tage vor Silvester lag ich mit Fieberkrämpfen und der Bewusstlosigkeit nahe im Bett. Aber wozu hat man schließlich Freunde! Zwar waren sie nicht immer gern gesehen, aber als sie mir eine dicke Schachtel mit der Aufschrift Aspirin complex vor die Nase hielten, wusste ich, dass mein letztes Stündchen noch nicht geschlagen hatte. Ich schlucke eher wenig Pillen und habe wenig Erfahrung mit Medikamenten aller Art. Die rasch einsetzende befreiende Wirkung des Arzneimittels hatte ich so bewusst nie erlebt. Erst Stunden später ging mir auf wie es die Mehrheit der lohnarbeitenden Bevölkerung schafft, immer fit am Arbeitsplatz zu erscheinen, Überstunden und Unterbezahlung in Kauf nehmend. Die Droge des globalisierten Dienstleisters heißt Aspirin complex. Werden Nerven komplex betäubt, wird der Schmerz ausgeschaltet. Überflüssig werden so Bettruhe, Nasenspray, Dampfbad und erst recht Wadenwickel. Mir waren diesmal alle Mittel recht sein.       Befreit feierte ich ins Jahr 2011, trank, tanzte, umarmte mich selbst! Besser hätte dieses scheußliche Jahr nicht zu Ende gehen können. Nicht ein einziges Mal dachte ich in dieser Nacht an das Elend der Welt, den Verrat an der Revolution oder die Weltwirtschaftskrise. Ich war froh meine eigene Krise dank Aspirin complex gemeistert zu haben. Und nicht nur das: auch zukünftig sollte es mir nun gelingen, einer von diesen vergnügten, rundum aktiven Lebensteilnehmern zu werden, der nie an der Richtigkeit seines Daseins zweifelte.

2011 wird mein complex glückliches Jahr – und euers hoffentlich auch!

Fast gestorben wäre ich übrigens bei einem Autounfall auf dem Heimweg von der Silvesterparty. Ein Leben nach dem Tod kann ich mir nicht vorstellen. Aber das ist ein anderes Thema…

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